Archiv der Kategorie: Antirassismus/Antifaschismus

Erinnern heißt kämpfen – Gedenken an den Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge

Am 25.03.1994 verübten vier Neonazis einen Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge. Die Täter warfen einen Molotovcocktail auf das Gebäude. Sie holten so nach, was die Faschisten in der Pogromnacht 1938 ausließen: Die Synagoge wurde damals zwar geschändet, aber nicht angezündet.

Wir erinnerten am Mittwoch, den 25.03.2020 an diese Gewalttat auf die Synagoge – St.-Annen-Straße 13 – und legten Blumen nieder. Unserem Aufruf folgten mehrere Menschen, unter anderem die Antifaschistische Koordination Lübeck.

Nazis töten…

26 Jahre später ist neonazistische Gewalt immer noch eine ständig präsente tödliche Bedrohung. Am Abend des 19. Februar erschießt im hessischen Hanau ein Neonazi neun Menschen aus rassistischen Motiven und tötet dann seine Mutter und sich selber. Am 9. Oktober 2019 versucht ein Neonazi mit selbst gebauten Waffen ein Massaker in der Synagoge in Halle anzurichten und tötet zwei zufällige Opfer.

Am 2. Juni 2019 wird der CDU-Regierungspräsident Walter Lübcke in Kassel auf seiner Terasse mit einem Kopfschuss ermordet. Im Juli 2019 verletzt ein Täter im hessischen Wächtersbach einen eritreischen Mann mit Schüssen lebensgefährlich. Von 2000 bis 2007 zieht die mordende Neonazibande des NSU durch Deutschland. Sie kann, weitestgehend unter den Augen des Verfassungsschutzes, neun Migranten und eine Polizistin ermorden und 43 Mordversuche verüben. Angela Merkels versprechen gegenüber den Angehörigen, alles Mögliche zu tun um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken, wurde zum Hohn. Der NSU Komlex ist bis heute nicht aufgeklärt.

Der Schriftsteller Bodo Morshäuser schrieb Anfang der 1990er Jahre anlässlich der damaligen Pogrome von Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen: »Wenn der Schlips vor Scheinwerfern ›Ausländerbegrenzung‹ fordert, löst der Stiefel sie in der Dunkelheit ein. Dass aus Wörtern Taten geworden sind, will der Schlips danach nicht mit sich selbst in Zusammenhang gebracht wissen.«

Das Zitat zeigt die Notwendigkeit als Antifaschist_innen nicht nur diejenigen ins Visier nehmen, die ihre Menschenverachtende Ideologie in die Tat umsetzen und sich somit als Vollstrecker eines vermeintlichen „Volkswillen“ sehen. Es muss, damals wie heute, auch darum gehen, die geistigen Brandstifter zu bekämpfen. Diese sind zum Beispiel die Hetzer der AfD – Eine Partei dessen Spitzenkanditat Gauland zur Jagd auf politische Gegner_innen aufruft und öffentlich fordert, dass man wieder stolz auf die Wehrmacht sein solle. Eine Partei, deren Landesverband in Thüringen vom mutmaßlichen Lübcke-Mörder 2016 mit einer Wahlkampfspende unterstützt wurde. Eine Partei dessen Kontakte mit dem Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke durch die Freundschaft mit Thorsten Heise (NPD/freie Kameradschaften) bis ins militante Neonazistische Spektrum reichen. Aber auch die CSU/CDU, um Menschen wie Horst Seehofer, der sich gegen Migration „bis zur letzten Patrone“ wehren will, sind Teil der spalterischen Hetze.

Vergessen wir nicht!

Es ist an uns Schulter an Schulter diesem Hass unsere Solidarität entgegenzusetzen. Lasst uns gemeinsam Betroffene von Rassismus und Antisemitismus unterstützen. Es ist unsere Aufgabe als Antifaschist_innen heute die nächsten antisemitischen Morde und Gewalttaten zu verhindern. Denn sonst tut es niemand: Der Staat lässt sie gewähren oder befeuert sogar noch das mörderische Treiben. Und es ist unsere Aufgabe zu Mahnen, wohin das Gift der rassistischen und antisemitischen Spaltung bereits geführt hat.

Esther Bejerano, jüdische Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau, sagte 2018 anlässlich Gedenkens an den Brandschlag 1996 in der Hafenstraße 1996: „Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als dass die Erfahrung meiner Generation in Vergessenheit gerät. Dann wären alle Opfer des Faschismus und des Krieges, alles, was wir erlitten haben, umsonst gewesen. Ich wünsche mir, dass ihr, weil es ja so bitter nötig ist, auch in Zukunft Widerstand leistet, wie damals die Widerstandskämpfer für ein Leben in Frieden und Freiheit für alle Menschen auf dieser Welt eintraten.“

In diesem Sinne: Vergessen wir nicht! Erinnern wir an den Brandanschlag auf die Synagoge 1994! Gegen Rassismus und Antisemitismus. Nie wieder Faschismus!

Angesichts der anhaltenden Corona-Epedemie ist es nicht sinnvoll als Menschengruppe zusammen zu kommen und so zu gedenken. Die Reaktion der revolutionären Linken darf aber keinesfalls sein politische Aktionen ausfallen zu lassen. Deshalb haben wir nacheinander gedacht: Alleine und doch gemeinsam!

#Say Their Names Plakataktion

Diese Woche kleben Aktivist*innen anlässlich des Tags gegen Rassismus am 21.03. in ganz Lübeck Plakate. Damit wollen wir den Opfern des rassistischen Anschlags in Hanau gedenken. Die Plakate zeigen die Namen und Bilder der Opfer. Wir folgen mit dieser Aktion dem Aufruf #say their names, welche die Betroffenenperspektive in den Vordergrund stellt.

Vor einem Monat am 19.02.20 tötete ein deutscher Neonazi neun Menschen aus rassistischen Motiven in Hanau. Im Anschluss an die Tat tötete er seine Mutter und sich selbst.

Aber die Betroffenheit nach den rassistischen Morden dauerte nur viel zu kurz an. Schon zehn Tagen später hatte das Corona-Virus die Tat aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt. Die bundesweite Aktion soll dafür sorgen, dass der Anschlag nicht in Vergessenheit gerät.

Solidarität schließt ein nicht aus

Aufrufe wie von Angela Merkel beziehen sich jetzt während der Corona-Krise auf ein „Wir“, das solidarisch zusammenhalten soll. Dieses „Wir“ konstruiert sich über nationalistischen Ausschluss. Das heißt, dass die am meisten Gefährdeten im Stich gelassen werden: Das sind die Menschen, die in völlig überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln und an der griechisch-türkischen Grenze festsitzen. Ohne den Zugang zu Seife, warmem Wasser oder Rückzugsräumen sind die Menschen dem Virus schutzlos ausgeliefert. Ein solches „Wir“ ist Teil eines rassistischen gesellschaftlichen Konsenses, Solidarität schließt ein, nicht aus.

Rassismus tötet

Sowohl der rassistische Terroranschlag in Hanau als auch die Situation der Geflüchteten an der griechisch-türkischen Grenze sind die praktische Umsetzung der Forderungen von rechten und neonazistischen Politikern. Beide Themen wurden in rasanter Geschwindigkeit aus der Öffentlichkeit verdrängt. Den politisch Verantwortlichen blieb es auf diese Weise erspart, aus ihren Lippenbekenntnissen Konsequenzen ziehen zu müssen.

Wir fordern, dass die EU endlich flüchtende Menschen aus den Flüchtlingscamps in Griechenland und der griechisch-türkischen Grenze aufnimmt, um die Verbreitung vom Corona-Virus einzudämmen, der dort wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen vielen Menschen das Leben kosten würde. Wir kämpfen weiter um gleiche Rechte für Alle, gegen jede rechte Hetze und Abschottung. Und wir sind in Gedanken bei den Menschen, denen der rassistische Anschlag von Hanau das Leben gekostet hat.

Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu

Ob durch mordende Neonazis oder rasistische Abschottungspolitik: Rassismus tötet.

Hafenstraße ’96: Gedenken & Anklagen

Aufruf zur Demonstration

Am 18. Januar 2020 jährt sich zum 24. mal der Brandanschlag auf die Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße in Lübeck. 24 Jahre ist es her, dass 10 Menschen sterben mussten, davon 7 Kinder, und dass weitere 34 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Neonazis zündeten nachts das Haus an, in dem die Menschen lebten und setzten so ihr rassistisches Weltbild in die Tat um. Verurteilt wurden die Täter nicht, obwohl sie teilweise sogar Geständnisse ablegten und die Indizienlage sie eindeutig belastete.

Ein wirklicher Aufklärungswillen der staatlichen Organe war nicht zu erkennen: Nach den rassistischen Anschlägen in Rostock-Lichtenhagen und Mölln passte ein weiterer Anschlag nicht in das Bild der erfolgreichen Deutschen Wiedervereinigung. So wurde statt gegen die verdächtigen Neonazis gegen einen Bewohner des Hauses ermittelt. Der Geflüchtete, selbst Opfer des Brandanschlags, wurde zum Täter gemacht. Wir begreifen all diese Geschehnisse als Teil unserer Geschichte. Eine Geschichte der Betroffenheit, des Nicht-Glaubenkönnens und des Widersprechens. Eine Geschichte des Gedenkens und des Anklagens.

Und wir begreifen den Anschlag, die rassistischen Verhältnisse und alles, was daraufhin geschah, als einen politischen Prozess, dem wir uns als Antifaschisten*innen angenommen haben. Und so rufen wir dieses Jahr wieder dazu auf, am 18. Januar mit Betroffenen von rechter Gewalt, Angehörigen der Opfer und allen solidarischen Menschen auf die Straße zu gehen. In Gedenken an die Opfer aus der Hafenstraße wollen wir unsere Wut und Trauer auf die Straße tragen. Es ist unsere Stadt, in der Neonazis gemordet haben. Es ist unsere Geschichte, die wir schreiben.

Gegen den Faschismus und seine Verharmlosung! In Lübeck gibt es keinen Platz für Rassismus und rechte Hetze! Wir bleiben solidarisch mit allen Geflüchteten und heißen sie willkommen! Wir fordern das bedingungslose Recht auf Asyl, sichere Fluchtwege und menschenwürdige Unterbringung für Geflüchtete! Für die befreite Gesellschaft und ein gutes Leben für alle.

18. Januar 2020 | Demonstration | 13.00 Uhr | Breite Straße Ecke Kohlmarkt, Lübeck

Im Anschluss werden wir am Ort des Brandanschlags den Opfern Gedenken. Alle sind danach ins SchickSaal zum Zusammenkommen und Aufwärmen eingeladen. Die Demonstration findet im Rahmen einer Aktionswoche statt.

Infos zu unserer Veranstaltung am 16.01. kannst du hier finden.

Entschlossene Bündnisdemo gegen die IMK in Lübeck

Heute folgten 250 Menschen dem Aufruf des „No-IMK-Bündnisses“ und demonstrierten gegen die Innenministerkonferenz in Lübeck unter dem Motto „Solidarisch der Kälte und Angst trotzen. Gegen Überwachung und Repression. Für Freiheit und Menschenrechte“.

Ein martialisches Aufgebot von Polizist*innen und klirrende Kälte hielten die Demo-Teilnehmer*innen nicht davon ab, ihrem Protest gegen die Innenministerkonferenz Ausdruck zu verleihen. Entschlossen, wütend und laut zogen Antifaschist*innen durch die Innenstadt. Mit lauten Forderungen für eine befreite gerechte Welt rückte die Demo den Innenministern auf den Leib. Sie endete kurz vor dem Veranstaltungsort der IMK am Schuppen 9.

Gemeinsam nach Bad Segeberg!

Gemeinsame Anreise der Basis Antifa Lübeck zur Demo in Bad Segeberg

„In Bad Segeberg versuchen aktuell Neonazis ein neues Terrornetzwerk aufzubauen. Die Gruppe nennt sich „Aryan Circle“ und versucht Menschen einzuschüchtern und Anhänger zu werben. Um dies zu erreichen werden Schüler*innen gezielt angesprochen und Menschen die nicht in ihr faschistisches Weltbild passen, bedroht und angegriffen. Angeführt wird die Gruppe von Bernd Tödter, einem veurteilten Vergewaltiger, der u.a. einen Obdachlosen totgetretten und den Sturm18 gegründet hat. Als einer seiner Kameraden aussteigen wollte, hat er ihn eine Woche festgehalten und foltern lassen.“ – Bad Segeberg bleibt Bunt

Hier findet Ihr den den Aufruf des Bündnisses „Bad Segeberg bleibt Bunt“

Exif – Recherche und Analyse: Totschläger Bernd Tödter gründet Kameradschaft „Aryan Circle“ – https://exif-recherche.org/?p=6428

DEMO + KUNDGEBUNG 09.11. | 13:00 | An der Volksbank

Keine Stimme der AfD!

Solidarisch gegen den Hass im EU-Wahlkampf

Presseerklärung des Solidarisch gegen den Hass-Bündnis

Europawahlkampf: Veranstaltung des Stadtschülerparlaments am 8. Mai 2019 um 11.00 Uhr in der MuK. Veranstaltung der Fachschaft Psychologie der Uni Lübeck am 14. Mai 2019. Zu beiden Veranstaltungen sind auch VertreterInnen der AfD eingeladen.

In ganz Europa erstarken rechtspopulistische bis extrem rechte Positionen und Parteien. Menschen, demokratische und zivilgesellschaftliche Strukturen und Institutionen geraten dabei zunehmend unter Druck und die Gesellschaften polarisieren sich.

Führende Köpfe der deutschen Rechten formulieren ihre Strategie und ihre Ziele ganz offen: Sie wollen Druck aufbauen, die Gesellschaft verunsichern, das politische System destabilisieren und zugleich in die Schaltstellen der Demokratie jenseits der Parlamente einsickern. Ihr Ziel ist die Brutalisierung und letztlich die Zerstörung der gesellschaftlichen Debatte. Wenn das gelingt, und die Gesellschaft zu extrem rechten Positionen schweigt, ist die Basis für den Faschismus gelegt.

Die Strategien der neuen Rechten beruhen dabei immer wieder auf inszenierten Tabubrüchen. Menschenverachtende Ansichten werden als revolutionärer Akt präsentiert, das Ziel ist klar: Sie geben sich als KämpferInnen für Unterdrückte und Schwache, um angeblich Gerechtigkeit herzustellen. Sie geben vor, dass es dafür Mut bräuchte, den bis jetzt niemand hätte. Die vermeintlich gebrochenen Tabus bestehen schließlich darin, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus oder Homophobie unverfroren und direkt zu äußern. Nach und nach übertreten und erweitern sie immer wieder den gesellschaftlich akzeptierten Rahmen des Sagbaren. Gleichzeitig sollen politische GegnerInnen durch gezielte Falschnachrichten delegitimiert, lächerlich gemacht und bedroht werden, sodass sie sich als die einzige Alternative präsentieren können.

In diesen Strategien zeigt sich, warum es in der Auseinandersetzung mit geschulten Kadern der extremen Rechten nie um die Sachebene geht und sie nicht durch Argumente zu überzeugen sind. Eine Debatte ist nicht möglich, weil sie nicht gewollt ist.

Auch das Stadtschülerparlament Lübeck und die Fachschaft Psychologie der Uni Lübeck bedienen mit ihren Einladungen die Interessen der neuen Rechten. Sie wollen damit vermeintlich ihre Demokratiefähigkeit als ernstzunehmende Gremien unter Beweis stellen und machen auf Nachfrage deutlich, dass sie sich inhaltlich gegen die Politik der AfD positionieren.

Demokratie bedeutet aber nicht, dass alles gesagt werden darf, dass die Verbrechen der Shoa geleugnet oder relativiert werden dürfen, die Klimakrise ignoriert werden darf, menschenverachtende, rassistische und völkische Theorien ein Podium finden dürfen. So verstandene Meinungsfreiheit führt Freiheit ad absurdum. Extrem Rechte müssen konsequent von jedem Diskurs ausgeschlossen werden, damit sie die Faschisierung der Gesellschaft nicht weiter vorantreiben können.

Durch geschickte Moderation und inhaltliche Debatte die Positionen der AfD entlarven zu wollen ignoriert, dass Teile der WählerInnen überzeugte RassistInnen und NationalistInnen sind und eine Gefahr darstellen. Und „ProtestwählerInnen“ können nur mit einer ernsten Beschäftigung mit den realen gesellschaftlichen Problemen und wirklichen sozialen Alternativen gewonnen werden. Eine Auseinandersetzung mit der AfD, die ihr ein Forum bietet ermöglicht ihr erst, sich als so eine Alternative zu stilisieren.

Wer der AfD eine Bühne bietet und sie damit als normale demokratische Partei legitimiert, macht sich mitschuldig und verantwortlich dafür, dass aus Worten Taten werden, Menschen verfolgt, verletzt und ermordet werden.

Dass das Stadtschülerparlament ausgerechnet am 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Faschismus vor 74 Jahren, VertreterInnen der AfD einlädt, erschüttert uns.

Wir fordern die SchülerInnen und Studierendenschaft in Lübeck auf, sich gegen die Entscheidung ihrer Gremien zu stellen und es nicht zuzulassen, dass die AfD auf ihren Veranstaltungen ungestört sprechen kann. Fordert eure Gremien dazu auf die AfD wieder auszuladen. Werdet laut und kreativ um ihren Auftritt zu verhindern!

Für eine solidarische, ökologische und egalitäre Gesellschaft, und eine Zukunft für alle!

Jahrestag Brandanschlag in der Hafenstraße – Gedenken, Demo und Veranstaltungen

Der Brandanschlag auf die Lübecker Hafenstraße jährt sich im Januar zum 23. Mal.

Auch dieses Jahr widmen sich verschiedene Veranstaltungen den Ereignissen von 1996, den gesellschaftlichen Verhältnissen in denen dies geschah und der Kontinuität rechter Gewalt.

Freitag, der 18.01. ist der Jahrestag des Brandes, gemeinsam erinnern wir am Ort des Geschehens an die ermordeten und verletzen Menschen. Blumen, Kerzen und Wortbeiträge sind willkommen. Gerade im Zuge der Beschmierung des Gedenksteins mit NS-Symbolen im November soll es ein würdevolles Gedenken geben.

Am Samstag, den 19.01. demonstrieren wir wieder gemeinsam unter dem Motto „Gedenken & Anklagen“.


Weitere Infos findet ihr auf hafenstrasse96.org

Novemberpogrome in Lübeck – Antifaschistisches Gedenken

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Die Novemberpogrome – von SA und SS als „Volkszorn“ organisiert – führten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch in Lübeck zur Zerstörung und Plünderung jüdischer Geschäfte (in der Breiten Straße, Schüsselbuden, Hüxstraße und Holstenstraße), der Synagoge und den der jüdischen Gemeinde gehörenden Wohnungen auf dem gleichen Grundstück.

Schon am 12.3.1933 wurde die Synagoge in der St. Annen-Straße von SA/SS durchsucht. Am 1.4.1933 erlebte Lübeck seinen ersten von den Nazis organisierten Boykott gegen jüdische Geschäfte.

Am 3.4.1933 forderte Anwaltsverein „die Säuberung der Rechtspflege von jüdischen Einfluss“. Dem schloss sich wenige Tage später die Lübecker Ärztliche Standesorganistaion an. Von nun an folgten Monat für Monat immer weitere Maßnahmen von staatlichen Behörden und Verbänden jüdische Lübecker_innen zu diskriminieren und nach und nach rechtlos zu machen.

Während der Novemberpogrome 1938 schreckten die Nazis nur wegen der unmittelbare Nähe zum St. Annen-Museum vor dem Anzünden des Gebäudes zurück. 1939 musste die jüdische Gemeinde das Grundstück an die Stadt abtreten. Das Gebäude wurde daraufhin vollständig umgebaut: Fassade und die Kuppel der Synagoge wurden abgerissen. Das Gebäude wurde in „Ritterhof“ umbenannt und diente seit 1941 u.a. als Turnhalle und Aufbewahrungsraum für Theaterrequisiten.

Am 6. Dezember 1941 wurden ca. 90 Juden & Jüdinnen aus Lübeck in das KZ Riga abtransportiert. 1942 und 1943 folgten weitere kleine Transporte in das KZ Theresienstadt. Soweit bekannt, haben nur drei Menschen diese Transporte überlebt. Einige wenige sollen sich bis Kriegsende mit Hilfe von Freund_innen verborgen gehalten haben.

Die genaue Anzahl der jüdischen Menschen Lübecks, die Opfer der nationalistischen Verfolgung wurden, ist noch ungeklärt. Ihre Namen und Schicksale sind bis heute in Einzelfällen bekannt.

Feministischer Antifa AK der IL Lübeck

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Die Lösung könnte so einfach sein! #fürdasSolizentrum

Aus aktuellem Anlass dokumentieren wir die Presseerklärung des Lübecker Flüchtlingsforums:

„Die Lösung könnte so einfach sein!

Pressemitteilung des Solidaritätszentrums für Geflüchtete im Transit vom 15. Oktober 2015 +++ Solidaritätszentrum für Geflüchtete im Transit auf der Walli arbeitet seit über 5 Wochen +++ Mehr als 7100 Geflüchtete wurden auf dem Weg nach Schweden unterstützt +++ Mehr als 250 000€ für Fährtickets bezahlt +++ Große Enttäuschung über die weiterhin schleppende Unterstützung der Stadt +++ Menschen müssen sich aufgrund fehlender räumlicher Kapazitäten über Stunden im Freien aufhalten und frieren +++ Walli fordert für die menschenwürdige Unterbringung der Geflüchteten das Grünflächenamt trotz der Absage der Stadt +++

Die Walli/alternative steht wie bisher als Solidaritätszentrum für alle Geflüchteten im Transit zur Verfügung. Inzwischen haben über 7100 Geflüchtete mit der Hilfe von ehrenamtlichen Helfer_innen und vielen Spender_innen ihre Reise nach Schweden von Travemünde aus angetreten. Täglich passieren weiterhin zwischen 200 und 400 Menschen das Zentrum.Was als spontane Hilfe in der Not vor vier Wochen begann, wird noch Monate weitergehen müssen. „Aufgrund der Kälte in den bevorstehenden Wintermonaten und der Notwendigkeit, den kulturellen Betrieb auf der alternative wiederaufzunehmen, ist das Zentrum dringend auf eine räumliche Erweiterung angewiesen.“, sagt Joe Hartung vom Treibsandkollektiv. Die Unterstützung der Stadt lässt weiterhin auf sich warten. Sie besteht bislang in der Übernahme der Kosten von Miettoiletten, verstärkter Müllabfuhr und den Bussen des Lübecker Stadtverkehrs für den Transfer nach Travemünde. Ausdrücklich bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei den Organisator_innen und Busfahrer_innen für ihr ausserordentliches Engagement. Hinzu kommt bislang ein Gebäude des benachbarten Grünflächenamtes, das in einem sehr schlechten Zustand übergeben wurde. Freiwillige, reisende Gesell_innen und viele solidarische lübecker Handwerker_innen haben es in den letzten Wochen nutzbar gemacht. Das Dach musste repariert werden, da es durchregnete, die Wasserversorgung und Heizung, welche durch Frostschäden vollständig zerstört war, mussten instand gesetzt werden. Viele kaputte Fenster und Türen wurden ausgetauscht damit geheizt werden kann. Seit Wochen verhandeln Vertreter_innen des Lübecker Flüchtlingsforums über die weiteren Gebäude des Lübecker Stadtgrünamtes, welche sich direkt neben dem Grundstück der alternative (Walli) befinden. „Es kann nicht sein, dass sich durch bürokratische Hürden der Bezug des Grünflächenamtes immer weiter verzögert. Wir sind auf diese Häuser angewiesen, um den erschöpften Geflüchteten eine menschenwürdige Unterbringung bieten zu können. Wir haben hier viele Frauen und kleine Kinder auf dem Gelände, die hier Stunden verbringen um auf die nächste Fährabfahrt zu warten. Die Stadt kann doch nicht von uns erwarten, dass wir sie draußen frieren lassen, obwohl sich die fast ungenutzten Gebäude nebenan optimal eignen würden.“, erwidert Britta Kloss. Die Begründung für die Ablehnung der Stadt ist, dass sie sich nicht in der Lage sieht Ersatzräume für das Büro des Vorarbeiters und Meisters zur Verfügung zu stellen der einen Raum zur Koordination und Planung in dem Gebäude nutzt. „Es geht hier darum Not abzuwenden, bei so viel offensichtlichem Leerstand kann es doch nicht sein, dass es die Stadt 3 Wochen lang nicht schafft ein Büro für einen ihrer Mitarbeiter zu finden.“ sagt Britta Kloss. Da trotz der Bemühungen einzelner Stellen der Hansestadt zum vereinbarten Termin am Donnerstag Abend, den 16. Oktober, weiterhin keine Perspektive für die Unterbringung der Geflüchteten geboten wurde, sehen die ehrenamtlichen Helfer_innen auf der Walli keine Alternative mehr, als selbstständig den Betrieb in den beiden Gebäuden ab Samstag, den 17.10. um 11Uhr aufzunehmen. „Wir waren jetzt lange genug kooperativ, haben Vorschläge gemacht und unsere Unterstützung angeboten. Wir sind aber tagtäglich konfrontiert mit dem Leid der Menschen die bei uns ankommen.“ erklärt Jana Schneider. Es wird sich hierbei an dem Gesetzesentwurf orientiert, welcher in der Hamburger Bürgerschaft beschlossen wurde. Für die Vermeidung von Obdachlosigkeit von Geflüchteten in den Wintermonaten, werden leerstehende Immobilien sichergestellt um eine angemessene Unterbringung zu gewährleisten und Gefahren für Leib und Leben abzuwehren. „Auch wenn auf der Walli die Menschen zumeist nur wenige Stunden sind, reicht eine kalte Nacht im Freien aus um krank zu werden. Diese Zustände werden wir um jeden Preis vermeiden. Wir verlangen von der Hansestadt Lübeck ihre Verantwortung zu übernehmen und uns keine Steine in den Weg zu legen. Wir wollen weiterhin unsere Arbeit leisten und brauchen dafür räumliche Kapazitäten, aufhören und die Menschen alleine lassen ist für uns keine Option.“, erläutert Martin Hartmann. Dafür fordert das Lübecker Flüchtlingsforum: – Die sofortige Bereitstellung der weiteren Gebäude des Grünflächenamtes um eine menschenwürdige Unterbringung der Geflüchteten auf ihrer Durchreise zu ermöglichen – Die Übernahme der Kosten für das Material zur Nutzbarmachung der Gebäude -Übernahme der Kosten von Energie und Wasser – Die Unterstützung der Anträge und die Finanzierung der beantragten Bundesfreiwilligendienststellen, um die ehrenamtlichen Helfer_innen der Walli zu entlasten „Was wir erwarten ist wirklich nicht viel im Vergleich dazu, dass die Städte Kiel, Flensburg und Rostock die gesamte Versorgung der Geflüchteten im Transit übernehmen. Die Menschen werden sich auch nicht aufhalten lassen. Es steht überhaupt nicht im Verhältnis,“ sagt Britta Kloss abschließend. „Die Stadt müsste dann die gesamte Infrastruktur übernehmen die gerade mit einem überwältigendem Engagement von Lübecker_innen, Handwerker_innen und Geschäftsleuten Tag und Nacht geleistet wird. Es handelt sich hierbei um humanitäre Hilfe und diese kontinuierlich zu leisten ist unvergleichlich schwieriger als ein Büro für einen Stadtgrünmitarbeiter zu finden.“

Wir sind #fürdasSolizentrum !

Quelle: http://fluechtlingsforum.de/presse/

Für aktuelle Infos & Updates rund um das Solidaritätszentrum schaut ihr bitte auf die Facebookseite des Lübecker Flüchtlingsforums: https://www.facebook.com/fluechtlingsforum